Günstige Heizlösungen für Altbauten in Hamburg & Schleswig‑Holstein: Kosten, Effizienz und Förderungen
Altbauten und die Suche nach der günstigsten Heizlösung
Altbauten in Hamburg und Schleswig‑Holstein faszinieren durch ihren Charme, großzügige Grundrisse und besondere Architekturen. Gleichzeitig stellen sie Besitzer:innen vor besondere Herausforderungen: schlecht gedämmte Außenwände, veraltete Heizkörper und energieintensive Heizkessel treiben die laufenden Kosten in die Höhe. Mit der Verschärfung des Gebäudeenergiegesetzes müssen neu eingebaute Heizungen seit 2024 einen wachsenden Anteil erneuerbarer Energie nutzen, und ab Mitte 2026 gilt dies in Hamburg sowie ab Mitte 2028 in kleineren Kommunen verbindlich. Zudem müssen spätestens ab 2045 alle Heizungen komplett klimaneutral arbeiten. Für viele Eigentümer:innen entsteht der Bedarf, ihre alte Anlage zu erneuern und nach günstigen Heizsystemen für den Altbau zu suchen.
Dieser Artikel richtet sich an private Haus‑ und Wohnungseigentümer:innen sowie Betreiber kleiner und mittlerer Objekte in Norddeutschland, die ihre Heizung modernisieren wollen. Er liefert einen neutralen Überblick über verschiedene Heiztechnologien, deren Kosten und Effizienz, rechtliche Rahmenbedingungen sowie regionale Besonderheiten. Der Text beschreibt außerdem typische Fehler bei der Modernisierung und bietet konkrete Entscheidungshilfen, um die passende Lösung zu finden.
Heizungssysteme im Vergleich
Wärmequellen, Wirkungsgrade und erneuerbare Energien
Bei der Wahl eines Heizungssystems für ein älteres Gebäude spielen Wärmequelle und technischer Wirkungsgrad eine zentrale Rolle. Fossil betriebene Anlagen wie Öl‑ und Gasheizungen nutzen die chemische Energie im Brennstoff und erzeugen bei der Verbrennung Wärme. Moderne Brennwertkessel nutzen zusätzlich die im Abgas enthaltene Kondensationswärme; dadurch erreichen sie Wirkungsgrade bis zu rund 98 %, benötigen aber weiterhin fossile Brennstoffe. Regenerative Heizungen nutzen Umweltenergie (z. B. Wärme aus Luft, Erde oder Wasser), Biomasse oder Wärme aus einem Wärmenetz. Ihre Effizienz hängt davon ab, wie gut sie Umweltenergie in Heizwärme umwandeln und wie niedrig die nötige Vorlauftemperatur des Heizkreises ist.
Die Jahresarbeitszahl (JAZ) ist eine wichtige Kennzahl für Wärmepumpen; sie zeigt das Verhältnis zwischen erzeugter Wärmeenergie und eingesetzter elektrischer Energie im Jahresmittel. Luft/Wasser‑Wärmepumpen erreichen in Bestandsgebäuden häufig JAZ‑Werte von 3,5 bis 4, während Sole‑Wasser‑Wärmepumpen bei 4 bis 4,5 liegen. Pelletheizungen und Holzvergaserkessel nutzen Biomasse und können hohe Vorlauftemperaturen liefern. Ihre Effizienz hängt von der Qualität der Pellets, der Verbrennungstechnik und der Wartung ab.
Heizsysteme sollten zudem mit einer energieeffizienten Gebäudehülle harmonieren. Ein schlecht gedämmter Altbau benötigt höhere Heizleistungen, was den Einsatz regenerativer Systeme erschwert. Vor der Auswahl einer neuen Anlage ist daher eine Heizlastberechnung nach DIN EN 12831 notwendig. Diese Berechnung bestimmt den maximalen Wärmebedarf unter Berücksichtigung von Gebäudegröße, Dämmstandard, Fensterqualität, Luftdichtheit und lokalen Klimadaten. Ein korrekt dimensioniertes System verhindert überhöhte Investitions‑ oder Betriebskosten und verlängert die Lebensdauer der Anlage.
Wärmepumpe: Umweltwärme für Altbauten nutzen
Die Wärmepumpe gilt heute als zukunftsfähiges Heizsystem und ist in vielen Bestandsgebäuden bereits die günstigste Lösung über die Lebensdauer. Sie entzieht der Umgebung Wärme und hebt diese auf ein nutzbares Temperaturniveau. Drei Typen sind relevant:
- Luft/Wasser‑Wärmepumpen entziehen der Außenluft Wärme. Sie sind einfach zu installieren, benötigen jedoch eine Außeneinheit und sind bei sehr niedrigen Außentemperaturen weniger effizient. Durch die milden Winter in Hamburg und Schleswig‑Holstein mit Durchschnittstemperaturen um 3 °C arbeiten Luft/Wasser‑Pumpen hier besonders effizient.
- Sole/Wasser‑Wärmepumpen nutzen das Erdreich als Wärmequelle. Erdwärmesonden oder horizontale Kollektoren liefern ganzjährig konstante Temperaturen. Diese Pumpen sind effizienter und leiser als Luftgeräte, benötigen jedoch Erdarbeiten oder Bohrungen sowie Genehmigungen. In Wasserschutzgebieten oder bei hohen Grundwasserständen können Bohrungen eingeschränkt sein; darüber hinaus sind Sicherheitsabstände von etwa drei Metern zum Nachbargrundstück einzuhalten.
- Wasser/Wasser‑Wärmepumpen entziehen Grundwasser Wärme. Sie erreichen sehr hohe Wirkungsgrade, erfordern aber zwei Brunnen und sind nur in Regionen mit ausreichend sauberem Grundwasser zulässig.
Moderne Wärmepumpen kommen auch in Altbauten gut zurecht, sofern die Heizflächen ausreichend groß sind. Bei radiatorenbasierten Systemen können Niedertemperatur‑Heizkörper mit größerer Oberfläche oder Fußbodenheizungen helfen, niedrigere Vorlauftemperaturen zu realisieren. Ist dies nicht möglich, existieren inzwischen Hochtemperatur‑Wärmepumpen, die mit Vorlauftemperaturen bis zu 70 °C arbeiten, jedoch mit höherem Stromverbrauch.

Pelletheizung: Biomasse als Alternative
Pelletheizungen verbrennen aus Sägemehl gepresste Holzpellets in einem automatischen Kessel und erreichen Wirkungsgrade über 90 %. Sie erzeugen hohe Vorlauftemperaturen und sind daher für unsanierte Altbauten geeignet. Für den Betrieb sind ein Lagerraum oder ein Sacksilo sowie eine Förderschnecke erforderlich. Wichtig ist die regelmäßige Reinigung der Brennkammer und des Wärmetauschers sowie der Abtransport der Asche.
Vorteile sind die relativ niedrigen Brennstoffkosten und der Einsatz erneuerbarer Energie. Pellets gelten gemäß Bundesrecht als klimaneutral, weil das bei der Verbrennung frei werdende CO₂ zuvor im Holz gebunden war. Allerdings verursachen Pelletheizungen Feinstaubemissionen, erfordern Platz für das Lager und haben höhere Anschaffungskosten als Gas‑Brennwertkessel. Da Pellets zu großen Teilen regional hergestellt werden, sind sie weniger preisschwankend als Öl und Gas, können aber bei langfristiger Knappheit teurer werden.
Gas‑Brennwert und Hybrid: Übergangslösungen mit fossiler Komponente
Gas‑Brennwertheizungen gehören zu den günstigen Heizsystemen in Bezug auf Anschaffungskosten. Ihre Technik ist erprobt, sie lassen sich leicht in bestehende Heizkreisläufe integrieren und bieten hohe Vorlauftemperaturen. Durch die Brennwerttechnik nutzen sie einen Teil der Abgaswärme und sind deutlich effizienter als alte Konstanttemperaturkessel.
Der Nachteil: Steigende Gaspreise und CO₂‑Abgaben machen den Betrieb langfristig teuer. Das Gebäudeenergiegesetz verpflichtet Eigentümer:innen in Neubauten seit 2024 und in Altbauten nach Abschluss der kommunalen Wärmeplanung dazu, dass neue Heizungen zu mindestens 65 % erneuerbare Energien nutzen. Gas‑Brennwertkessel dürfen also künftig nur in Kombination mit erneuerbaren Energien eingebaut werden. Hybridsysteme kombinieren beispielsweise einen Gas‑Brennwertkessel mit einer Wärmepumpe oder Solarthermie. Die Wärmepumpe deckt den Großteil der Heizlast; der Gasbrenner springt bei sehr niedrigen Außentemperaturen ein. Solche Systeme können die Betriebskosten im Vergleich zu einer reinen Gasheizung senken, sind aber kostspieliger in der Anschaffung und lassen die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen fortbestehen.
Fernwärme und Nahwärme: Komfortabel, aber abhängig von der Infrastruktur
Fernwärme liefert vor allem in urbanen Gebieten wie Hamburg eine bequeme Alternative. Ein zentrales Heizkraftwerk erzeugt Wärme, die durch ein isoliertes Rohrnetz zu den Häusern transportiert wird. Die Betreiber können unterschiedliche Energieträger einsetzen, von Biomasse über Industriewärme bis zu Erdgas mit Kraft‑Wärme‑Kopplung. Ein Anschluss an das Wärmenetz spart Platz im Gebäude und erfordert lediglich eine Übergabestation.
Die Investitionskosten für einen Anschluss sind vergleichsweise gering, da keine eigene Heizkesselanlage gebaut werden muss. Die Betriebskosten hängen von den Tarifen des jeweiligen Versorgers ab. Eigentümer:innen müssen bedenken, dass sie sich mit Fernwärme langfristig an einen Anbieter binden und die Verfügbarkeit vom Netzausbau abhängt. Zudem ist bei der Wahl zu beachten, dass der Fernwärmeanbieter einen ausreichend hohen Anteil erneuerbarer Energien bereitstellt, um die gesetzlichen Vorgaben zu erfüllen.
Elektrische Infrarot‑ und Direktheizungen: Geringe Anschaffung, hohe Betriebskosten
Elektrische Heizsysteme wie Infrarotheizungen oder Nachtstromspeicher arbeiten vollständig mit Strom. Sie sind schnell zu installieren und eignen sich als Zusatzheizung oder für Räume mit seltenem Heizbedarf. Auf lange Sicht verursachen sie durch den hohen Stromverbrauch jedoch hohe Betriebskosten und sind wenig effizient, wenn der Strom nicht aus erneuerbaren Quellen kommt. Infrarotheizungen erwärmen vor allem Wände und Körper direkt durch Wärmestrahlung und können in gut gedämmten Zimmern sinnvoll sein. Für ganze Altbauten sind sie aufgrund der hohen Energiekosten als alleinige Heizquelle selten wirtschaftlich.
Dimensionierung, Voraussetzungen und typische Fehler
Heizlastberechnung und Systemauslegung
Bevor Sie sich für ein neues Heizsystem entscheiden, sollten Sie eine fachgerechte Heizlastberechnung durch ein Ingenieurbüro oder einen Energieberater durchführen lassen. Diese Berechnung nach DIN EN 12831 ermittelt den Wärmebedarf des Gebäudes unter Normaußentemperatur und berücksichtigt Transmissionsverluste, Lüftungswärmeverluste sowie interne Gewinne. Eine korrekt ausgelegte Heizungsanlage vermeidet Überdimensionierung, die zu häufigem Takten führt, und unterdimensionierte Anlagen, die nicht genügend Wärme liefern.
Bei Wärmepumpen ist die Wahl der Wärmequelle entscheidend: Luft/Wasser‑Geräte benötigen Platz für die Außeneinheit und sollten im Garten oder an der Fassade so aufgestellt werden, dass sie Nachbarn nicht durch Lärm stören. In Hamburg liegt der empfohlene Mindestabstand bei 2,5 Metern, in Schleswig‑Holstein bei 3 Metern. Sole/Wasser‑ und Wasser/Wasser‑Systeme erfordern eine hydrogeologische Untersuchung und ggf. eine wasserrechtliche Genehmigung. Die Erdwärmebohrung oder die Installation von Erdkollektoren muss von zertifizierten Fachfirmen durchgeführt werden und benötigt ausreichend Fläche.
Pelletheizungen brauchen einen geeigneten Lagerraum und eine staubarme Zuführung. Der Lagerraum sollte trocken, belüftet und mit ausreichendem Abstand zu brennbaren Materialien ausgestattet sein. Pelletkessel erfordern regelmäßige Reinigung und Ascheentleerung sowie eine Abgasanlage aus säurebeständigem Material, da der Rauch kondensierende Anteile enthält.
Gas‑Hybrid‑Systeme sind nur sinnvoll, wenn ein gut gedämmter Gasbrennwertkessel vorhanden ist und der Einsatz erneuerbarer Energien wie Solarthermie oder Wärmepumpe die gesetzlichen Anforderungen erfüllt. Bei Hybridlösungen muss die Steuerung sorgfältig parametriert werden, damit der regenerative Anteil zuverlässig 65 % der Jahresheizarbeit liefert.
Fernwärmeanschlüsse verlangen die Prüfung, ob ein Wärmenetz in der Nähe existiert und ob die Versorgungsleitungen ausreichend dimensioniert sind. Die Übergabestation muss hydraulisch und regelungstechnisch in das Heizsystem integriert werden. Infrarot‑Heizungen erfordern eine Elektroinstallation mit ausreichender Leistung sowie eine Steuerung, die die Strahlungsflächen bedarfsgerecht aktiviert.
Typische Fehler bei der Heizungsmodernisierung im Altbau
- Fehlende energetische Sanierung: Viele Altbauten haben ungedämmte Außenwände, alte Fenster und undichte Dächer. Wer eine Wärmepumpe oder ein anderes effizientes System installieren möchte, sollte zunächst prüfen, ob Dämmmaßnahmen sinnvoll sind. Eine verbesserte Gebäudehülle senkt den Heizbedarf, erlaubt kleinere Wärmeerzeuger und reduziert Betriebskosten.
- Falsche Dimensionierung: Ein überdimensionierter Kessel führt zu häufigen Start‑Stop‑Zyklen, erhöht den Verschleiß und senkt die Effizienz. Zu kleine Anlagen können Räume nicht ausreichend erwärmen. Deshalb ist eine präzise Heizlastberechnung unverzichtbar.
- Kein hydraulischer Abgleich: Ohne hydraulischen Abgleich werden einige Heizkörper überversorgt, andere unterversorgt. Die Umwälzpumpe arbeitet ineffizient, wodurch mehr Strom verbraucht wird und die Wärmeverteilung ungleichmäßig ist.
- Fehlende Integration erneuerbarer Energien: Wer seine alte Gas‑ oder Ölheizung ohne zusätzliche regenerative Komponente modernisiert, riskiert, schon nach kurzer Zeit erneut investieren zu müssen. Erneuerbare Anteile sind in Hamburg und Schleswig‑Holstein bereits Pflicht und werden perspektivisch weiter erhöht.
- Planung ohne Experten: Komplexe Anlagen wie Wärmepumpen oder Hybridheizungen sollten von erfahrenen Fachbetrieben dimensioniert und installiert werden. Eine unsachgemäße Installation kann zu Betriebsstörungen, Garantieverlust und geringerer Lebensdauer führen.

Regionale Bau‑ und Umweltbedingungen
Hamburg und Schleswig‑Holstein zeichnen sich durch windreiches, maritimes Klima mit milden Wintern aus. Die durchschnittlichen Temperaturen liegen im Winter um 3 °C, wodurch Außenluft‑Wärmepumpen hier effizienter arbeiten als in süddeutschen Regionen. Gleichzeitig führen hohe Windlasten dazu, dass Außenkomponenten – beispielsweise die Außeneinheit einer Wärmepumpe oder PV‑Anlagen auf dem Dach – stabil verankert werden müssen. Flachdächer und exponierte Standorte erfordern eine statische Prüfung und ggf. verstärkte Unterkonstruktionen, um Sogkräfte durch Stürme zu beherrschen.
Das Hamburgische Klimaschutzgesetz und das Energiewende‑ und Klimaschutzgesetz Schleswig‑Holstein schreiben Mindestanteile erneuerbarer Energien beim Heizungstausch vor. In Hamburg müssen seit 2021 beim Austausch von Heizungen in bestehenden Gebäuden mindestens 15 % der Wärme erneuerbar erzeugt werden. Ab Mitte 2026, sobald die kommunale Wärmeplanung veröffentlicht ist, steigt dieser Anteil auf 65 %. In Schleswig‑Holstein gilt seit Juli 2022 die Pflicht, beim Austausch von Heizungsanlagen in Gebäuden, die vor 2009 errichtet wurden, mindestens 15 % der jährlichen Wärmeenergie mit erneuerbaren Quellen zu decken. Diese Landesregelung bleibt in Kraft, bis die bundesweiten 65 %-Anforderungen ab 2026 bzw. 2028 greifen.
Zudem gelten in beiden Ländern Abstands‑ und Genehmigungsauflagen. Erdwärmepumpen benötigen wasserrechtliche Genehmigungen und dürfen in Trinkwasserschutzgebieten oft nicht eingesetzt werden. Außenaufgestellte Wärmepumpen müssen Lärmschutz‑Vorgaben einhalten (etwa 50 dB tagsüber und 35 dB nachts) und in angemessenem Abstand zu Nachbargebäuden aufgestellt werden (2,5 m in Hamburg, 3 m in Schleswig‑Holstein).
Szenarien und typische Altbaufragen
Unsanierter Altbau aus den 1920er‑Jahren
Familie S. besitzt ein freistehendes Einfamilienhaus aus den 1920er‑Jahren in Hamburg‑Eimsbüttel. Die Außenwände sind ungedämmt, die Fenster einfach verglast und die Heizkörper klein dimensioniert. Die vorhandene Öl‑Heizung ist 25 Jahre alt, funktioniert noch, verursacht aber hohe Betriebskosten. Das Budget der Familie ist begrenzt.
- Analyse: Zunächst führt ein Energieberater eine Heizlastberechnung durch und stellt fest, dass das Haus einen hohen Wärmebedarf hat. Um eine Wärmepumpe wirtschaftlich betreiben zu können, wären umfangreiche Dämmmaßnahmen und der Austausch der Heizkörper nötig. Eine Pelletheizung könnte die erforderliche hohe Vorlauftemperatur liefern, benötigt aber einen Lagerraum, der im Keller geschaffen werden müsste. Die Kosten für die Dämmung und den Lagerraum wären hoch.
- Entscheidung: Die Familie entscheidet sich vorerst für eine Gas‑Hybrid‑Lösung: Der bestehende Öl‑Kessel wird durch einen Gas‑Brennwertkessel ersetzt und eine Luft/Wasser‑Wärmepumpe wird integriert. Die Wärmepumpe deckt 70 % der Heizlast und nutzt den günstigen Strom aus der geplanten Photovoltaikanlage. Der Gas‑Kessel springt nur an sehr kalten Tagen ein. Zusätzlich plant die Familie eine schrittweise Dämmung der Fassade und den Austausch der Fenster. Mit dieser Lösung können die gesetzlichen Anforderungen erfüllt und die Betriebskosten reduziert werden, während das Investitionsbudget eingehalten wird.
eilmodernisierter Altbau aus den 1970er‑Jahren
Ein Gastronomiebetrieb im Umland von Kiel nutzt ein Gebäude aus den 1970er‑Jahren. Das Dach wurde vor wenigen Jahren gedämmt, und neue Fenster wurden eingebaut. Die Räume werden noch von einem alten Gas‑Konstanttemperaturkessel beheizt, der bald ausgetauscht werden muss. Die Betreiber möchten möglichst niedrige Betriebskosten und eine hohe Versorgungssicherheit.
- Analyse: Da bereits eine solide Dämmung vorhanden ist, eignet sich eine Wärmepumpe in Kombination mit einer Fußbodenheizung, die im Gastraum ohnehin renoviert werden soll. Der Strombedarf der Wärmepumpe kann durch eine PV‑Anlage auf dem Dach gedeckt werden; überschüssiger Solarstrom wird gespeichert und für die Küchengeräte genutzt. Für Spitzenlasten während kalter Tage wird ein kleinerer Gas‑Brennwertkessel installiert, der später mit Biogas betrieben werden kann.
- Ergebnis: Durch diese Hybridlösung werden die laufenden Kosten gesenkt, und der Gastronomiebetrieb erfüllt die 65 %-Regel. Im Vergleich zu einer reinen Pelletanlage entfallen die Arbeiten für Brennstofflagerung und Ascheentsorgung.
Altbau mit Denkmalschutzauflagen
Ein denkmalgeschütztes Stadthaus in Lübeck darf äußerlich nicht verändert werden. Die Eigentümer möchten die Öl‑Heizung ersetzen. Die Fassaden dürfen nicht gedämmt werden, und es dürfen keine Außengeräte aufgestellt werden.
- Analyse: Da eine Außenaufstellung für eine Luft/Wasser‑Wärmepumpe ausgeschlossen ist und Bohrungen wegen des historischen Bodenfundaments nicht genehmigungsfähig sind, fällt die Wahl auf eine innen aufgestellte Sole/Wasser‑Wärmepumpe mit Erdkollektoren im Garten. Eine Genehmigung wird durch das Denkmalschutzamt erteilt, weil die Erdarbeiten das äußere Erscheinungsbild nicht beeinflussen.
- Ergebnis: Die neue Wärmepumpe nutzt regenerativ erzeugten Strom vom regionalen Ökostromtarif. In Kombination mit einer elektrischen Ergänzungsheizung für Spitzenlasten erfüllt das System die gesetzlichen Vorgaben.
Typische Fragen aus der Praxis
- Lohnt sich eine Wärmepumpe im unsanierten Altbau? – Im Norden Deutschlands mit milden Wintern können auch Luft/Wasser‑Wärmepumpen im Altbau wirtschaftlich arbeiten, wenn die Vorlauftemperatur unter 55 °C bleibt. Dafür sind große Heizflächen oder ein Austausch der Radiatoren erforderlich. Sobald Dämmmaßnahmen durchgeführt wurden, verbessert sich die Effizienz weiter.
- Wie viel Platz benötigt eine Pelletheizung? – Neben dem Heizkessel ist ein Pelletlager nötig, dessen Größe vom Heizwärmebedarf abhängt. Als Faustregel gilt: Für ein Einfamilienhaus braucht man je Kilowatt Heizleistung etwa 0,9 m³ Lagervolumen. Das Lager sollte gut belüftet und trocken sein.
- Kann ich meine bestehende Gasheizung weiter betreiben? – Funktionierende Gas‑ und Ölkessel dürfen vorerst weiter genutzt werden, solange sie nicht älter als 30 Jahre und keine Konstanttemperaturkessel sind. Ab 2029 müssen stufenweise steigende Anteile an Biogas oder synthetischen Brennstoffen genutzt werden, und ab 2045 ist der Betrieb mit fossilen Brennstoffen verboten.
- Ist Fernwärme zuverlässig? – Fernwärme bietet hohen Komfort, da Wartung und Brennstoffbeschaffung entfallen. Die Versorgungssicherheit hängt vom Netzbetreiber ab. Sie sollten vor Vertragsabschluss prüfen, wie hoch der erneuerbare Anteil im Netz ist und ob geplante Ausweitungen der kommunalen Netze für Ihr Gebiet vorgesehen sind.
Regionale Aspekte: Hamburg und Schleswig‑Holstein im Fokus
Gesetzliche Anforderungen
Die beiden nördlichen Bundesländer verfolgen ambitionierte Klimaschutzziele und haben deshalb eigene Vorschriften erlassen:
- Hamburg: Beim Austausch einer Heizung müssen seit 2021 mindestens 15 % erneuerbarer Energien eingesetzt werden. Ab Mitte 2026 steigt diese Vorgabe gemäß kommunaler Wärmeplanung auf 65 %. Ab 2045 dürfen Heizungen nicht mehr mit fossilen Brennstoffen betrieben werden. Gas‑ und Ölheizungen können weiterhin repariert werden, doch beim Neueinbau ist eine regenerative Komponente erforderlich.
- Schleswig‑Holstein: Das Energiewende‑ und Klimaschutzgesetz verpflichtet Eigentümer:innen seit Juli 2022, bei Heizungstausch in Gebäuden aus der Zeit vor 2009 mindestens 15 % erneuerbare Energie zu nutzen. Seit Januar 2025 gilt eine überarbeitete Fassung des Gesetzes, die diese Verpflichtung bestätigt. Die Pflicht kann erfüllt werden durch eine Solarthermieanlage (mit Kollektorfläche abhängig von der Wohnfläche), den kompletten Betrieb einer Wärmepumpe, den Anschluss an ein Wärmenetz mit mindestens 15 % erneuerbarem Anteil, einen individuellen Sanierungsfahrplan, der fünf Prozent der Pflicht ersetzt, oder den Bezug von Bio‑Brennstoffen. Diese Vorschrift bleibt bestehen, bis die bundeseinheitliche 65 %-Regel in den Jahren 2026 bzw. 2028 greift.
Klimatische Bedingungen
In Norddeutschland herrschen milde Winter mit Durchschnittstemperaturen knapp über dem Gefrierpunkt. Dies begünstigt Luft/Wasser‑Wärmepumpen, da ihr Wirkungsgrad mit sinkendem Temperaturunterschied zwischen Außenluft und Heizungsvorlauf steigt. Die Luftfeuchtigkeit ist jedoch höher als in südlichen Regionen, was zu verstärkter Korrosion führen kann. Regelmäßige Wartung der Außeneinheit und witterungsbeständige Materialien sind deshalb wichtig.
Die Küstenlage bringt hohe Windgeschwindigkeiten mit sich. Dächer müssen bei der Installation von Solaranlagen und Außeneinheiten verstärkt werden, und Montagesysteme müssen nach Windlastzone II oder III bemessen sein. Die Aufstellung von Wärmepumpen sollte so erfolgen, dass Abstände zu Nachbarn eingehalten und Geräuschimmissionen gemindert werden.

Verfügbarkeit von Wärmenetzen und Biogas
Hamburg verfügt über ein großes Fernwärmenetz, das aus Kraft‑Wärme‑Kopplungsanlagen gespeist wird. Der Anteil erneuerbarer Energie ist zwar noch begrenzt, soll aber bis 2030 deutlich erhöht werden. Die Hamburger Umweltbehörde plant den Ausbau grüner Fernwärmenetze, insbesondere im Hafen und in Neubauquartieren.
In Schleswig‑Holstein existieren zahlreiche Nahwärmenetze auf Basis von Biomasse oder Abwärme, etwa aus Biogasanlagen. Auf dem Land bieten sich Wärmenetzanschlüsse an, wenn in der Nähe Biogas‑ oder Hackschnitzelanlagen betrieben werden. Da Biogas eine wichtige Rolle bei der Erfüllung der 65 %-Pflicht spielen wird, empfiehlt sich rechtzeitige Abstimmung mit lokalen Anbietern.
Kosten- & Förderlogik: Wirtschaftlichkeit beurteilen
Investitionskosten im Überblick
Beim Vergleich der günstigsten Heizungen für Altbau darf der Blick nicht nur auf die Anschaffungskosten fallen. Vielmehr sollten die Gesamtkosten über die Lebensdauer – inklusive Betrieb, Wartung und Finanzierung – betrachtet werden.
- Wärmepumpe: Hohe Investitionskosten durch Anschaffung und eventuelle Dämmungs‑ oder Heizkörperumrüstungen. Die Betriebskosten sind aufgrund hoher Effizienz und möglicher Photovoltaik‑Anbindung niedrig. Luft/Wasser‑Geräte sind günstiger als Erdreich‑ oder Wasser/Wasser‑Systeme, benötigen aber einen geeigneten Platz für die Außeneinheit.
- Pelletheizung: Vergleichsweise hohe Anschaffungskosten durch Kessel, Lagerraum und Fördersystem. Die Betriebskosten hängen vom Pelletpreis ab, der tendenziell moderat ist. Regelmäßige Wartung und Reinigung fallen an.
- Gas‑Hybrid‑Heizung: Anschaffungskosten liegen zwischen reiner Wärmepumpe und Gas‑Brennwertkessel, da zwei Systeme kombiniert werden. Die laufenden Kosten schwanken je nach Gaspreis und Strompreis.
- Fernwärme: Die Investitionskosten bestehen hauptsächlich aus dem Anschluss an das Netz und der Übergabestation. Es fallen keine Kosten für ein eigenes Kesselhaus an. Die Wärmepreise werden vom Versorger festgelegt; bei hohen erneuerbaren Anteilen können sie im Vergleich zu Gasheizungen günstig sein, allerdings gibt es keine Konkurrenzangebote.
- Elektrische Direktheizungen: Sehr niedrige Anschaffungs‑ und Installationskosten. Die Betriebskosten sind aber hoch, da Strom teurer ist als andere Energieträger.
Förderprogramme und steuerliche Vorteile
Die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) unterstützt den Umstieg auf erneuerbare Heiztechnik. Fördersätze von bis zu 70 % der förderfähigen Kosten sind möglich, wenn bestimmte Effizienzbedingungen erfüllt werden. Zuschläge für den Austausch alter Heizkessel oder für niedrige Einkommen können die Fördersumme erhöhen. Zu den wichtigsten Instrumenten gehören:
- Basisförderung: Für Wärmepumpen, Biomassekessel und Hybridheizungen mit erneuerbarem Anteil.
- Geschwindigkeitsbonus: Temporär erhältlich für den frühzeitigen Austausch fossiler Heizungen und für den Anschluss an ein Wärmenetz.
- Einkommensabhängiger Bonus: Erhöhte Fördersätze für Haushalte mit niedrigen oder mittleren Einkommen.
- iSFP‑Bonus: Wer im Rahmen eines individuellen Sanierungsfahrplans eine Maßnahme umsetzt, kann einen zusätzlichen Bonus erhalten.
Darüber hinaus gibt es regionale Förderprogramme in Hamburg und Schleswig‑Holstein. Beispiele sind Zuschüsse der Hamburgischen Investitions‑ und Förderbank sowie des schleswig‑holsteinischen Energieeffizienz‑Programms, die erneuerbare Heizungen, Wärmedämmung und Solarthermie unterstützen. Steuerliche Vorteile ergeben sich durch die Möglichkeit, Handwerkerleistungen und energetische Sanierungsmaßnahmen von der Steuer abzusetzen.
Betriebskosten und Energieträgerpreise
Die laufenden Kosten hängen vom Energieträger und dem Wirkungsgrad der Anlage ab:
- Wärmepumpen nutzen Strom. Bei JAZ‑Werten von 3,5 bis 4 liefern sie drei bis vier Kilowattstunden Wärme aus einer Kilowattstunde Strom. In Verbindung mit einer Photovoltaik‑Anlage kann ein großer Teil des benötigten Stroms selbst erzeugt werden. Die Netzeinspeisung von Überschüssen und eine möglichst hohe Eigenverbrauchsquote steigern die Wirtschaftlichkeit.
- Pelletheizungen werden mit Holzpellets befeuert. Die Preise unterliegen saisonalen Schwankungen, sind aber langfristig weniger von internationalen Krisen beeinflusst als Öl und Gas.
- Gas‑Hybridheizungen benötigen Gas und Strom. Der Gasverbrauch sinkt im Vergleich zu einer reinen Gasheizung, bleibt aber spürbar. Die CO₂‑Abgabe verteuert fossile Brennstoffe kontinuierlich.
- Fernwärme hat fixe Tarife, die vom Versorger abhängig sind. Betriebe mit hoch erneuerbarem Anteil können stabile Preise bieten, während fossil dominierte Netze teurer werden können.
- Elektrische Direktheizungen weisen hohe Betriebskosten auf, sofern der benötigte Strom nicht zu einem großen Teil aus eigener PV‑Anlage stammt.
Entscheidungs- & Planungshilfen: Die passende Lösung finden
Schritt 1: Gebäude analysieren
Untersuchen Sie den energetischen Zustand Ihres Gebäudes. Prüfen Sie Außenwände, Dach, Fenster, Kellerdecke und Heizkörper. Ermitteln Sie den Heizwärmebedarf über eine Heizlastberechnung. Schlecht gedämmte Häuser profitieren am meisten von Dämmmaßnahmen, bevor eine neue Heizung installiert wird.
Schritt 2: Budget und Finanzierungsrahmen festlegen
Bestimmen Sie, wie viel Sie in die Heizungsmodernisierung investieren können. Beachten Sie dabei, dass hohe Investitionskosten durch Fördergelder und niedrigere Betriebskosten langfristig ausgeglichen werden können.
Schritt 3: Heizsysteme vergleichen
Vergleichen Sie mehrere Heizsysteme anhand ihrer Gesamtkosten, Effizienz, Umweltwirkung und rechtlichen Anforderungen. Die folgende Übersicht erleichtert die Bewertung:
- Wärmepumpe: Hohe Investition, niedrige Betriebskosten, beste Ökobilanz. Geeignet bei guter Dämmung oder nach Modernisierung der Heizflächen.
- Pelletheizung: Erneuerbar, hohe Temperaturen, benötigt Platz und intensive Wartung. Sinnvoll, wenn viel Raum zur Verfügung steht und ein regionaler Pelletsupplier vorhanden ist.
- Gas‑Hybridheizung: Niedrige Anfangskosten für den Gasanteil, aber mittel‑ bis langfristig teuer. Nur als Zwischenlösung sinnvoll, wenn ein funktionsfähiger Brennwertkessel vorhanden ist.
- Fernwärme: Geringe Investitionen, hohe Planungssicherheit bei erneuerbarem Wärmenetz. Abhängig von Netzverfügbarkeit und Versorgertarifen.
- Elektrische Direktheizungen: Geeignet als Zusatzheizung oder für Passivhäuser. Nicht empfehlenswert als alleinige Heizung im Altbau aufgrund hoher Stromkosten.

Schritt 4: Fördermittel prüfen und beantragen
Informieren Sie sich über aktuelle Förderprogramme des Bundes (BEG), der Länder und Kommunen. Lassen Sie sich von einem Energieberater unterstützen, um den optimalen Fördermix zu nutzen. Achten Sie darauf, dass Förderanträge häufig vor der Beauftragung eines Fachbetriebs gestellt werden müssen.
Schritt 5: Fachbetriebe beauftragen und Termine planen
Wählen Sie qualifizierte Heizungsbauer oder Energieberater aus Ihrer Region. Die Installation einer Wärmepumpe oder eines Pelletkessels sollte nur durch zertifizierte Fachfirmen erfolgen. Planen Sie ausreichend Vorlaufzeit ein, denn Nachfrage und Lieferzeiten können lang sein.
Schritt 6: Betrieb und Wartung
Nach der Installation sollten Sie das neue Heizsystem fachgerecht einstellen lassen und regelmäßige Wartungen durchführen. Bei Wärmepumpen ist der jährliche Check der Kältemitteldichtheit und des Verdichters wichtig. Bei Pelletheizungen müssen Brennkammer und Wärmetauscher regelmäßig gereinigt, bei Gas‑Hybridanlagen die Steuerung optimiert und bei Fernwärmeanschlüssen die Übergabestation überprüft werden. Ein hydraulischer Abgleich des Heizsystems verbessert die Effizienz und ist Voraussetzung für Fördermittel.
Günstige Heizlösungen für Altbauten – worauf es ankommt
Für Eigentümer:innen in Hamburg und Schleswig‑Holstein gibt es nicht die eine günstigste Heizung für Altbau, sondern verschiedene Optionen, deren Wirtschaftlichkeit von Gebäudesubstanz, Nutzungsverhalten und gesetzlichen Vorgaben abhängt. In vielen Fällen bietet die Wärmepumpe, unterstützt durch Photovoltaik und Speichertechnik, dank hoher Effizienz und großzügiger Förderungen die besten langfristigen Heizkosten. Pelletheizungen sind eine gute Wahl, wenn hohe Vorlauftemperaturen benötigt werden und genügend Platz für ein Lager vorhanden ist. Gas‑Hybrid‑Anlagen können als Übergangslösung dienen, wenn ein moderner Brennwertkessel vorhanden ist, sind aber langfristig teuer und werden durch steigende CO₂‑Abgaben belastet. Fernwärme ist attraktiv, sofern ein erneuerbares Wärmenetz zur Verfügung steht.
Unabhängig vom gewählten System sollten Sie zuerst die Gebäudehülle verbessern, die Heizlast korrekt berechnen und frühzeitig Fördermittel beantragen. Informieren Sie sich über die regionalen gesetzlichen Anforderungen und die kommunale Wärmeplanung. Mit einer sorgfältigen Planung, professioneller Umsetzung und der richtigen Kombination aus Heiztechnik und energetischer Sanierung lässt sich auch in einem Altbau eine kostengünstige und zukunftssichere Heizung realisieren.
