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Wärmepumpe im Altbau: Sinnhaftigkeit, Wirtschaftlichkeit & Förderperspektiven

Die Antwort auf einen Blick:
Eine Wärmepumpe kann auch in älteren Gebäuden effizient arbeiten, wenn die Heizlast professionell berechnet und die Vorlauftemperatur niedrig gehalten wird. Der Artikel erklärt den 55‑Grad‑Test, beschreibt notwendige Sanierungsmaßnahmen und warnt vor typischen Planungsfehlern. Besonders in Hamburg und Schleswig‑Holstein gelten neue Abstandsregeln mit Fokus auf Lärmschutz. Ein Kostenüberblick sowie Fördermöglichkeiten bis zu 70 % schaffen finanzielle Klarheit. Abschließend erhalten Leser eine Checkliste zur Planung und Entscheidung.

Warum Wärmepumpen im Altbau aktuell im Fokus stehen

Der steigende CO₂‑Preis und das Ende der fossilen Heiztechnik lenken den Blick vieler Eigentümerinnen und Eigentümer auf die Wärmepumpe. Sie nutzt Umweltwärme aus Luft, Erdreich oder Wasser und arbeitet weitgehend klimaneutral. Vor allem im Neubau sind Wärmepumpen längst Standard, doch im Bestand herrscht Unsicherheit: Lohnt sich eine Wärmepumpe im Altbau? Niedrige Energiekosten und der Wunsch nach Unabhängigkeit von Öl und Gas stehen dem Ruf gegenüber, Wärmepumpen könnten in alten Gebäuden nicht ausreichend wärmen. Tatsächlich hängt die Effizienz stark vom energetischen Zustand und der korrekten Auslegung ab. Dieses Wissen ist besonders für Hausbesitzer in Hamburg und Schleswig‑Holstein relevant, denn dort ermöglichen gelockerte Abstandsregeln den Einbau auch auf kleinen Grundstücken.
Im folgenden Beitrag werden zunächst die technischen Grundlagen erklärt, bevor praxisnahe Voraussetzungen und regionale Besonderheiten besprochen werden. Anschließend geht es um Wirtschaftlichkeit, staatliche Förderung und konkrete Planungshilfen. Ziel ist es, Ihnen eine fundierte Entscheidungsbasis zu geben.

Grundlagen der Wärmepumpentechnik

Funktionsprinzip und Arten von Wärmepumpen

Wärmepumpen nutzen die Eigenschaft, dass ein Kältemittel schon bei niedrigen Temperaturen verdampft. Im geschlossenen Kreislauf nimmt das verdampfte Kältemittel Umweltwärme auf, wird im Verdichter auf ein höheres Temperaturniveau gebracht und gibt diese Wärme anschließend im Kondensator an das Heizwasser ab. Die Effizienz wird über die Jahresarbeitszahl (JAZ) beziehungsweise den Coefficient of Performance (COP) bewertet. Eine JAZ von 3 bedeutet beispielsweise, dass aus einer Kilowattstunde Strom drei Kilowattstunden Wärme erzeugt werden. Feldmessungen des Fraunhofer‑Instituts zeigen, dass moderne Luft/Wasser‑Wärmepumpen in Bestandsgebäuden eine JAZ zwischen 2,6 und 5,4 erreichen; im Durchschnitt liegen Luft/Wasser‑Geräte bei rund 3,4 und Erdsonden‑Anlagen bei etwa 4,3.

Es gibt verschiedene Wärmepumpenarten:

  • Luft/Wasser-Wärmepumpe: Sie entzieht der Umgebungsluft Wärme. Die Anschaffungskosten sind vergleichsweise gering, und die Aufstellung ist einfach. Allerdings sinkt die Effizienz bei niedrigen Außentemperaturen.
  • Sole/Wasser- (Erdwärme-) Wärmepumpe: Über Flächenkollektoren oder Sonden wird dem Erdreich Wärme entzogen. Die Temperaturen im Boden sind stabil, was hohe Effizienzen ermöglicht. Für Kollektoren ist eine große Fläche erforderlich; Bohrungen sind genehmigungspflichtig.
  • Wasser/Wasser-Wärmepumpe: Sie nutzt Grund- oder Oberflächenwasser als Wärmequelle. Das Wasser hat ganzjährig konstante Temperaturen um 10 °C, daher erzielen diese Anlagen die höchste Effizienz. Die Installation ist aber aufwendig und erfordert eine Wasseranalyse sowie Genehmigungen.
  • Hochtemperatur-Wärmepumpen: Neue Geräte mit dem Kältemittel Propan können Vorlauftemperaturen bis 75 °C liefern. Laut Umweltbundesamt gibt es technisch kaum Gründe, eine Wärmepumpe auch in Altbauten nicht einzusetzen; maßgeblich ist die Effizienz, die mit steigender Temperatur sinkt.

Wichtige Kenngrößen: Vorlauftemperatur, Heizlast und Jahresarbeitszahl

Die Vorlauftemperatur beschreibt die Temperatur des Heizwassers, das in die Heizflächen strömt. Wärmepumpen arbeiten am effizientesten bei niedrigen Vorlauftemperaturen, idealerweise zwischen 35 und 55 °C. Laut Fachliteratur genügt in vielen Bestandsgebäuden eine Vorlauftemperatur von 55 °C. Ältere Heizsysteme arbeiten mit 70 °C und mehr, was zu einem schlechten Verhältnis von Nutz- zu Antriebsenergie führt. Ein niedrigerer Vorlauf verringert nicht nur den Stromverbrauch, sondern erhöht auch die JAZ und damit die Wirtschaftlichkeit.

Die Heizlast ist die benötigte Leistung in Kilowatt, um ein Gebäude bei der kältesten zu erwartenden Außentemperatur ausreichend zu beheizen. Eine professionelle Heizlastberechnung nach DIN EN 12831 ist unerlässlich, da eine zu große Anlage ineffizient taktet und eine zu kleine bei Frost nicht ausreicht. Ein Hamburger Fachportal weist darauf hin, dass eine sauber berechnete Heizlast die Basis für die korrekte Dimensionierung bildet. Sie ist auch Voraussetzung für staatliche Fördermittel.

Die Jahresarbeitszahl (JAZ) spiegelt die Effizienz der Wärmepumpe über das gesamte Jahr wider. Sie hängt neben der Vorlauftemperatur von der Wärmequelle, dem Gebäudezustand und der Qualität der Installation ab. Felduntersuchungen zeigten, dass eine gut geplante Luft/Wasser‑Wärmepumpe im Altbau eine JAZ von 3 oder höher erreicht.

Voraussetzungen im Altbau: Wann ist der Einsatz sinnvoll?

Energetischer Zustand und Gebäudehülle

Eine zentrale Voraussetzung für den wirtschaftlichen Betrieb ist ein moderater Energieverbrauch. Das Umweltbundesamt orientiert sich an einem Heizenergiebedarf von unter 150 kWh pro Quadratmeter und Jahr. Viele Häuser, die nach 1977 gebaut oder seither modernisiert wurden, erreichen diesen Wert. Maßgeblich ist eine gute Dämmung der Außenwände, des Dachs sowie dichte Fenster. In unsanierten Gebäuden mit hohen Wärmeverlusten steigt der Strombedarf der Wärmepumpe stark an. Eigentümer sollten daher zunächst den energetischen Zustand analysieren und ggf. Dämmmaßnahmen wie die Dämmung des Dachbodens oder den Austausch veralteter Fenster vornehmen.

Heizsystem und Vorlauftemperatur

Neben der Gebäudehülle bestimmt die Art des Heizsystems den Erfolg der Wärmepumpe. Flächenheizungen, etwa Fußboden- oder Wandheizungen, arbeiten mit großen Heizflächen und niedrigen Temperaturen und sind daher ideal. Im Bestand gibt es häufig Radiatoren. Moderne Plattenheizkörper sind besser geeignet als alte Gliederheizkörper, da sie einen höheren Strahlungsanteil haben; ideal sind sogenannte Wärmepumpenheizkörper, die mit niedrigen Vorlauftemperaturen auskommen. Ein praktischer Eignungstest ist der 55‑Grad‑Test: Senken Sie bei laufender Öl‑ oder Gasheizung die Vorlauftemperatur auf 50–55 °C und prüfen Sie an kalten Tagen, ob alle Räume warm bleiben. Laut der Initiative „Zukunft Altbau“ zeigt ein positives Ergebnis, dass das Haus für eine Wärmepumpe geeignet ist; bei unzureichender Wärme sollten Heizflächen ergänzt oder die Dämmung verbessert werden.

Heizlastberechnung und Auslegung

Die Dimensionierung der Wärmepumpe entscheidet über Effizienz und Lebensdauer. Eine Heizlastberechnung nach DIN EN 12831 berücksichtigt Gebäudegröße, Baujahr, Dämmstandard, Fenster, Luftdichtheit, Raumgröße, gewünschte Raumtemperatur und Lüftungsverluste. Experten warnen davor, die Heizleistung „nach Gefühl“ zu wählen. Eine korrekte Berechnung verhindert eine Überdimensionierung (teure, ständig taktende Anlage) und eine Unterdimensionierung (häufiger Einsatz des Heizstabs). Zudem ist der Nachweis der Heizlastberechnung Pflicht für Förderprogramme.

Für die Dimensionierung gilt: Die Heizlast der Luft/Wasser‑Wärmepumpe sollte bei Einfamilienhäusern in Norddeutschland unter 15 kW liegen; Erd- und Wasser-Wärmepumpen können etwas größer dimensioniert werden, bis etwa 20 kW. Auch der Warmwasserbedarf muss in die Berechnung einfließen, damit die Anlage nicht überdimensioniert wird.

Hydraulischer Abgleich und Systemoptimierung

Selbst perfekt dimensionierte Wärmepumpen verlieren Effizienz, wenn die Wärme im Haus nicht gleichmäßig verteilt wird. Ein hydraulischer Abgleich stellt sicher, dass jede Heizfläche genau die benötigte Wassermenge erhält. Der Verein „co2online“ erläutert, dass der Abgleich rund 925 Euro kostet (nach Förderung rund 800 Euro) und im Schnitt 160 Euro Heizkosten pro Jahr spart. Für Wärmepumpen ist der Abgleich zwingend notwendig, weil die niedrigen Temperaturdifferenzen eine präzise Verteilung erfordern.

Elektrischer Anschluss und Sperrzeiten

Für Wärmepumpen ist ein separater Starkstromanschluss nötig. Viele Netzbetreiber bieten spezielle Wärmepumpentarife mit reduzierten Strompreisen, die in der Regel mit Sperrzeiten verbunden sind. Während dieser Zeiten schalten die Netzbetreiber die Wärmepumpe ab, um das Stromnetz zu entlasten. Der Pufferspeicher muss so ausgelegt werden, dass die Räume während der Sperrzeiten warm bleiben. Der Energie-Fachberater empfiehlt daher, bei der Planung den Pufferspeicher und gegebenenfalls einen bivalenten Betrieb mit z. B. Gasthermen einzuplanen.

Typische Fehler und Risiken beim Einbau

Eine Studie des Bauherren‑Schutzbunds benennt zehn häufige Fehler beim Einbau von Wärmepumpen im Altbau. Sie lassen sich in fünf Kernbereiche gliedern:

  1. Falsche Dimensionierung: Wird die Heizlast zu hoch angesetzt, taktet die Wärmepumpe ständig, erhöht den Verschleiß und die Energiekosten. Eine zu kleine Pumpe kann an kalten Tagen nicht ausreichend heizen, sodass der elektrische Heizstab einspringen muss – mit hohen Betriebskosten.
  2. Ungeeigneter Aufstellort: Luft/Wasser‑Wärmepumpen verursachen Geräusche. Bei falscher Platzierung stören diese Nachbarn oder die eigene Nachtruhe. Laut Thermondo sollte der Abstand zum Nachbarn mindestens drei Meter betragen, sofern die Landesbauordnung keine abweichenden Regelungen vorsieht, und der Schallpegel beim Nachbarn höchstens 35 dB(A) betragen.
  3. Fehlerhafte Warmwasserberechnung: Wird der Warmwasserbedarf unterschätzt, arbeitet die Wärmepumpe mit zu niedriger Temperatur und der Heizstab muss häufig einspringen.
  4. Nichtbeachtung der Sperrzeiten: Günstige Wärmepumpentarife haben Sperrzeiten. Ohne ausreichenden Pufferspeicher kann es während der Abschaltzeiten kalt werden.
  5. Hydraulische Fehler: Eine fehlerhafte Einbindung der Wärmepumpe in das Heizsystem und fehlender hydraulischer Abgleich führen zu ungleichmäßiger Wärmeverteilung und geringerer Effizienz.

Weitere, weniger häufige Fehler betreffen genehmigungspflichtige Erd- oder Grundwasserwärmepumpen (fehlende Wasseranalyse oder falsche Rohrabstände), den Einsatz ungeeigneter Radiatoren und unzureichende Luftkanäle bei innen aufgestellten Geräten. Eigentümer sollten diese Risiken kennen und sich frühzeitig von einem Fachbetrieb beraten lassen.

Geräusch und Aufstellungsregeln in Hamburg und Schleswig‑Holstein

Neue Abstandsregeln: 0 Meter Abstand bei kompakten Geräten

In Schleswig‑Holstein wurde 2024 die Landesbauordnung geändert, um den Einbau klimafreundlicher Heizungen zu erleichtern. Luft/Wasser‑Wärmepumpen gelten nicht mehr als gebäudeähnliche Anlagen, wenn sie nicht höher als 2 Meter und nicht länger als 3 Meter sind. Für diese kompakten Geräte entfällt der vorgeschriebene Mindestabstand zur Grundstücksgrenze. Hausbesitzer dürfen die Außeneinheit direkt an der Grenze platzieren, ohne die früher üblichen 3 Meter Abstand einhalten zu müssen.

In Hamburg gilt eine ähnliche Regelung: Die Hamburgische Bauordnung erlaubt den Verzicht auf eine Abstandsfläche, wenn die Anlage maximal 2 Meter hoch und 3 Meter breit ist. Erst wenn die Wärmepumpe größer oder in einem gebäudeähnlichen Gehäuse steht, muss ein Abstand von 2,5 Metern eingehalten werden. Diese Erleichterungen sind besonders für Reihenhäuser und schmale Grundstücke wichtig, schaffen aber neue Pflichten im Bereich des Lärmschutzes.

Lärmschutz: TA Lärm und Bundes‑Immissionsschutzgesetz

Der Wegfall fester Abstandsflächen bedeutet nicht, dass die Wärmepumpe ohne Rücksicht auf Nachbarn betrieben werden darf. Laut Bundes‑Immissionsschutzgesetz dürfen Anlagen keine erheblichen Belästigungen durch Lärm verursachen. Die Technische Anleitung zum Schutz gegen Lärm (TA Lärm) legt Grenzwerte fest: In reinen Wohngebieten darf nachts am maßgeblichen Immissionsort – also 0,5 m vor dem Fenster des Nachbarn – 35 dB(A) nicht überschritten werden, tagsüber sind 50 dB(A) erlaubt. In allgemeinen Wohngebieten liegen die Nachtgrenzwerte bei 40 dB(A), in Mischgebieten bei 45 dB(A). Der relevante Pegel ist nicht die Lautstärke direkt am Gerät, sondern der am Nachbarfenster ankommende Schall.

Maßnahmen zur Geräuschreduktion

Da nun 0 Meter Abstand erlaubt sind, rückt der Lärmschutz in den Vordergrund. Folgende Maßnahmen helfen, Konflikte zu vermeiden:

  • Aufstellort: Wählen Sie eine offene, schallabgewandte Stelle; vermeiden Sie Nischen oder reflektierende Flächen wie Wände und Metallzäune.
  • Ausblasrichtung: Richten Sie den Luftstrom weg vom Nachbargrundstück; ggf. helfen Schallschutzwände oder gebogene Ausblasdüsen.
  • Schwingungsdämpfung: Stellen Sie die Wärmepumpe auf ein massives Fundament mit Gummi- oder Federdämpfern; Vibrationen dürfen nicht ins Gebäude übertragen werden.
  • Schallschutzhauben oder -wände: Spezielle Hauben reduzieren den Geräuschpegel um mehrere Dezibel; alternativ können Sie eine Lärmschutzwand errichten, die den Schall absorbiert.
  • Nachtmodus: Moderne Geräte besitzen einen Silent‑Mode; programmieren Sie die Anlage so, dass sie zwischen 22 Uhr und 6 Uhr mit reduzierter Leistung läuft.
  • Leise Geräte: Achten Sie bei der Auswahl auf den Schallleistungspegel. Größere Modelle, die auf niedriger Stufe laufen, sind oft leiser als kleine Pumpen, die am Limit arbeiten.

Mit diesen Maßnahmen lassen sich die strengen Nachtgrenzwerte zuverlässig einhalten. Eine sorgfältige Planung ist auch deshalb wichtig, weil Nachbarn bei Überschreitung einen Unterlassungsanspruch geltend machen können.

Planung auf kleinen Grundstücken

In dicht bebauten Stadtvierteln oder Reihenhaussiedlungen ist der Platz knapp. Die Landesbauordnungen erlauben deshalb die grenznahe Aufstellung. Dennoch empfiehlt es sich, von Anfang an Schallschutzmaßnahmen einzuplanen: Schallschutzwände entlang der Grundstücksgrenze, gepflanzte Hecken als zusätzliche Dämpfung und die Positionierung der Außeneinheit an der dem Nachbarn abgewandten Hausseite. Offene Kommunikation mit den Nachbarn beugt Missverständnissen vor und schafft Vertrauen.

Praxisberichte und Erfahrungen: Wärmepumpen im Altbau

Feldstudien und Forschungsergebnisse

Die häufige Befürchtung, dass Wärmepumpen in älteren Gebäuden nicht effizient arbeiten, ist durch Studien widerlegt. Das Fraunhofer‑Institut hat 77 Anlagen in Bestandsgebäuden untersucht und eine JAZ zwischen 2,6 und 5,4 festgestellt. Die Forscher fanden keinen Zusammenhang zwischen dem Baujahr des Hauses und der Effizienz. Entscheidend waren die Heizfläche, die Vorlauftemperatur und die Qualität der Installation. Sogar Gebäude mit niedrigem Dämmstandard konnten mit Hochtemperatur-Wärmepumpen effizient beheizt werden, wenn die Radiatoren angepasst wurden.

Eine Fraunhofer‑Fallstudie beschreibt ein 84 Jahre altes Haus mit einem Energiebedarf von 210 kWh/m²·a. Durch den Austausch von Radiatoren gegen fan-gestützte Konvektoren wurde eine JAZ von 3,0 erreicht. In einem 48 Jahre alten Haus (100 kWh/m²·a) mit bestehenden Plattenheizkörpern und einer Erdsonden-Wärmepumpe erzielte man sogar eine JAZ von 3,7. Diese Beispiele zeigen, dass auch Häuser mit höherem Energiebedarf von Wärmepumpen profitieren können, sofern Heizflächen und Hydraulik optimiert werden.

Anwendung des 55‑Grad‑Tests und kleine Maßnahmen

Bevor Sie in eine große Sanierung investieren, können Sie mit dem 55‑Grad‑Test überprüfen, ob Ihr Haus geeignet ist. Wird die Vorlauftemperatur in der vorhandenen Heizung auf 50–55 °C abgesenkt und bleibt das Haus warm, steht einer Wärmepumpe wenig im Weg. Ist der Test negativ, muss nicht sofort eine Komplettsanierung erfolgen. Oft reichen kleine Maßnahmen:

  • Austausch einzelner Heizkörper durch größere oder fan-gestützte Modelle.
  • Hydraulischer Abgleich und Optimierung der Heizkurve.
  • Dämmung von Kellerdecke, Dachboden oder Austausch von Fenstern.

Solche Maßnahmen senken den Vorlauf und verbessern die Effizienz ohne großen Aufwand. Das Fraunhofer‑Institut betont, dass elektrische Heizstäbe bei gut ausgelegten Systemen nur selten anspringen.

Hybridlösungen als Übergang

In unsanierten Altbauten mit sehr hohem Heizbedarf kann eine Wärmepumpe allein den Wärmebedarf nicht decken. Hier bieten sich Hybridheizungen an: Die Wärmepumpe übernimmt den Grundlastbetrieb und wird von einem Gas- oder Pelletkessel bei Spitzenlast unterstützt. Dadurch lässt sich der Energiebedarf senken und die CO₂‑Bilanz verbessern, ohne sofort das gesamte Gebäude zu sanieren. Solche Systeme eignen sich auch, wenn Förderprogramme oder Handwerkerkapazitäten erst in einigen Jahren verfügbar sind.

Kosten, Wirtschaftlichkeit und Amortisation

Investitionskosten nach System

Die Gesamtkosten einer Wärmepumpe setzen sich aus der Anschaffung des Geräts, den Installationskosten, eventuellen Erdarbeiten, dem Pufferspeicher, dem hydraulischen Abgleich und der Demontage der Altanlage zusammen. Der Verbraucherratgeber aus Nordrhein‑Westfalen nennt typische Preisspannen:

  • Luft/Wasser-Wärmepumpe: 25.000–35.000 Euro.
  • Sole/Wasser-Wärmepumpe: 30.000–50.000 Euro.
  • Wasser/Wasser-Wärmepumpe: 35.000–60.000 Euro.

Der Energie-Fachberater ergänzt, dass beim Einbau auch Kosten für den Rückbau der alten Heizung, den hydraulischen Abgleich und neue Heizkörper einzuplanen sind. Eine professionelle Heizlastberechnung kostet je nach Gebäudegröße etwa 500–800 Euro.

Betriebskosten und Einsparpotenzial

Der Stromverbrauch einer Wärmepumpe hängt von der JAZ ab. Luft/Wasser-Systeme benötigen pro Jahr etwa 5.000–8.000 kWh Strom, während Erdsondenanlagen durch höhere JAZ sparsamer sind. Bei Strompreisen von aktuell rund 25 Cent pro Kilowattstunde (Wärmepumpentarif) ergeben sich jährliche Kosten von 1.250–2.000 Euro. Im Vergleich dazu verursachen Gasheizungen bei ähnlicher Heizlast je nach Gaspreis häufig Kosten über 2.500 Euro pro Jahr. Eine Modellrechnung von autarc.energy zeigt, dass sich eine Wärmepumpe gegenüber einer Gasheizung nach etwa acht Jahren amortisiert. Zudem reduzieren Wärmepumpen die CO₂‑Emissionen um etwa 64 % gegenüber Gasheizungen.

Wartung und Lebensdauer

Wärmepumpen gelten als wartungsarm, da sie ohne Verbrennung arbeiten. Die Lebensdauer beträgt bei luftgeführten Geräten etwa 15 bis 20 Jahre, bei Erd- und Wasseranlagen noch länger. Regelmäßige Wartung durch einen Fachbetrieb verlängert die Lebensdauer und stellt sicher, dass Kältemittelmengen und Einstellungen korrekt sind. Wartungskosten liegen bei rund 200 Euro pro Jahr.

Fördermöglichkeiten 2026

KfW‑Zuschussprogramm 458

Ab 2026 wird der Heizungstausch durch die KfW‑Förderung 458 unterstützt. Diese Zuschussförderung ist Teil der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) und richtet sich an Eigentümerinnen und Eigentümer von Bestandsgebäuden. Die Förderung besteht aus einer Grundförderung von 30 %, die sich auf Material, Installation, Planung und Bauleitung erstreckt. Diese Basisförderung können Eigentümer erhalten, die die neue Heizung in ihrer selbstgenutzten Immobilie installieren.

Zusätzlich gibt es mehrere Boni:

  • Effizienzbonus (5 %): für Wärmepumpen, die als Wärmequelle Wasser, Erdreich oder Abwasser nutzen oder ein natürliches Kältemittel einsetzen.
  • Klimageschwindigkeitsbonus (20 %): für den vorzeitigen Austausch von Öl-, Kohle-, Gasetagen- oder Nachtspeicherheizungen sowie mindestens 20 Jahre alten Gas- und Biomasseheizungen. Dieser Bonus sinkt ab 2029 alle zwei Jahre um drei Prozent.
  • Einkommensbonus (30 %): für Haushalte mit einem zu versteuernden Jahreseinkommen bis 40.000 Euro.

Die Boni lassen sich kombinieren, so dass ein maximaler Zuschuss von 70 % der förderfähigen Kosten möglich ist. Die KfW berücksichtigt Investitionskosten bis 30.000 Euro pro Wohneinheit; der maximale Zuschuss beträgt damit 21.000 Euro. Wer den Emissionsminderungszuschlag für Biomasse nutzt, kann weitere 2.500 Euro erhalten.

Ergänzungskredit und BAFA‑Einzelmaßnahmen

Neben dem Zuschuss bietet die KfW einen Ergänzungskredit (Programm 358/359), mit dem bis zu 120.000 Euro pro Wohneinheit finanziert werden können. Die Zinsen sind abhängig vom Einkommen und liegen zwischen 0,01 % und 3,37 %. Für diesen Kredit gilt, dass die Bewilligung an einen Zuschussbescheid gekoppelt ist.

Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) fördert 2026 über die Bundesförderung effiziente Gebäude (BEG EM) zusätzliche Einzelmaßnahmen. Dazu gehören Wärmedämmung, Fenstertausch, Installation von Lüftungsanlagen und der hydraulische Abgleich. Diese Einzelmaßnahmen werden mit 15 % Zuschuss gefördert. Die Förderung kann mit dem Heizungszuschuss kombiniert werden, solange der Gesamtzuschuss 70 % nicht übersteigt.

Fördervoraussetzungen

Um die Fördermittel zu erhalten, müssen Sie vor Beginn der Arbeiten einen Antrag stellen und eine Bestätigung zum Antrag von einem Energieeffizienz-Experten einholen. Voraussetzung ist eine fachgerechte Heizlastberechnung nach DIN EN 12831 und der Nachweis eines hydraulischen Abgleichs. Zudem müssen Sie den Nachweis erbringen, dass die alte Heizung 20 Jahre alt ist (für den Klimageschwindigkeitsbonus) oder dass Ihr zu versteuerndes Einkommen die 40.000‑Euro-Grenze nicht überschreitet (für den Einkommensbonus).

Entscheidungs- und Planungshilfen

Checkliste für Hausbesitzer und Entscheider

  1. Ist-Analyse: Beauftragen Sie einen Energieberater, der den energetischen Zustand des Gebäudes, die Heizlast und die Vorlauftemperaturen ermittelt. Dies beinhaltet eine Vor-Ort-Begehung und die Erstellung eines individuellen Sanierungsfahrplans.
  2. 55‑Grad‑Test: Testen Sie vorab, ob Ihre Heizflächen mit 50–55 °C Vorlauftemperatur auskommen.
  3. Heizlastberechnung und Auslegung: Lassen Sie die Heizlast nach DIN EN 12831 berechnen und planen Sie die Wärmepumpe entsprechend. Berücksichtigen Sie den Warmwasserbedarf, Sperrzeiten und ggf. bivalente Systeme.
  4. Angebote vergleichen: Holen Sie von regionalen Fachbetrieben mehrere Angebote ein. Achten Sie auf den Schallleistungspegel, die JAZ, die Möglichkeit eines Nachtmodus und die Verwendung natürlicher Kältemittel.
  5. Schallschutz planen: Wählen Sie den Aufstellort, die Ausblasrichtung und Schwingungsdämpfer so, dass Sie die TA‑Lärm‑Grenzwerte unterschreiten. Planen Sie bei kleinen Grundstücken Schallschutzhauben oder -wände ein.
  6. Förderung beantragen: Stellen Sie den Förderantrag vor Beginn der Arbeiten und sichern Sie sich die Bestätigung eines Energieeffizienz-Experten. Prüfen Sie, welche Boni Sie in Anspruch nehmen können, und berücksichtigen Sie die KfW‑Kreditoptionen.
  7. Installation und Abnahme: Beauftragen Sie einen zertifizierten Installateur. Lassen Sie nach der Installation einen hydraulischen Abgleich durchführen und stellen Sie die Heizkurve ein.
  8. Betriebsoptimierung: Nutzen Sie die Nachtabsenkung und passen Sie die Heizkurve saisonal an. Überwachen Sie den Stromverbrauch und lassen Sie die Anlage regelmäßig warten.

Entscheidungshilfen für Betreiber kleiner und mittlerer Objekte

Für Betreiber von Gaststätten, Hotels oder Pflegeeinrichtungen gelten ähnliche Grundsätze, allerdings mit höherem Heizbedarf und oft einer gemischten Nutzung der Räume. Eine Wärmepumpe kann auch hier sinnvoll sein, insbesondere als Hybridsystem. Eine genaue Heizlastberechnung und ein abgestimmtes Wärmeverteilsystem sind essenziell. Der Klimageschwindigkeitsbonus und der Einkommensbonus gelten für kleine und mittlere Unternehmen nicht, die Grundförderung und der Effizienzbonus aber schon. In Mischgebieten dürfen nachts 40 dB(A) am Nachbarfenster nicht überschritten werden; Schallschutzmaßnahmen sind deshalb noch wichtiger.

Orientierung und Handlungssicherheit

Eine Wärmepumpe im Altbau kann eine ökonomisch und ökologisch sinnvolle Lösung sein, wenn der energetische Zustand des Gebäudes analysiert und das System richtig dimensioniert wird. Eine gute Dämmung, ausreichend große Heizflächen und eine professionelle Heizlastberechnung sind die zentralen Voraussetzungen. Mit dem 55‑Grad‑Test, dem hydraulischen Abgleich und dem Austausch einzelner Radiatoren lassen sich auch ältere Gebäude fit machen.

Dank gelockerter Abstandsregeln in Hamburg und Schleswig‑Holstein können kompakte Wärmepumpen grenznah aufgestellt werden. Der Fokus liegt nun auf dem Lärmschutz, der durch richtige Standortwahl und technische Maßnahmen erreichbar ist.

Die Investition ist zwar höher als bei konventionellen Heizungen, doch durch geringe Betriebskosten, staatliche Zuschüsse von bis zu 70 % und die Möglichkeit eines zinsgünstigen Kredits amortisiert sich die Wärmepumpe meist innerhalb von zehn Jahren. Zudem reduziert sie den CO₂‑Ausstoß erheblich und macht Hausbesitzer unabhängiger von fossilen Energien.

Für Hausbesitzer in Norddeutschland bedeutet dies: Prüfen Sie Ihr Gebäude systematisch, nutzen Sie die vielfältigen Förderprogramme und lassen Sie sich von erfahrenen Meisterbetrieben wie STEUER beraten. So gelangen Sie zu einer maßgeschneiderten Lösung, die langfristig Sicherheit, Komfort und Nachhaltigkeit verbindet.

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